Wáng Zhìzhōng

Wáng Zhìzhōng 王志忠 ist Meisterschüler des verstorbenen Meisters Hán Qíchāng 韩其昌. Hán Qíchāng war Vertreter der 16. Generation im Méihuāzhuāng. Wáng Zhìzhōng ist Hauptvertreter der 17. Generation im Méihuāzhuāng.

Sommer 2002, Kiel (Deutschland)
Sommer 2002, Kiel (Deutschland)

Lǎoshī 老师 bedeutet „Lehrer“ und ist in China, an den Namen angehängt, die normale, höfliche Anrede für einen Lehrer. Deshalb haben wir es uns angewöhnt, unseren Lehrer mit Wáng lǎoshī anzureden.

Wáng lǎoshī ist im Běijīnger Kulturviertel der Liúlíchǎng 琉璃厂 aufgewachsen. Dort kam er als Sohn eines Kunsthandwerkers schon früh in Berührung mit den traditionellen chinesischen Künsten: der chinesischen Malerei, der Kalligraphie und den Kampfkünsten (wǔshù 武术).

Schon im Alter von zehn Jahren begann er seine Wǔshù Ausbildung mit Shǎolín Boxen und wurde nach einigen Jahren Schüler (túdì 徒弟) dreier berühmter Běijīnger Meister der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts:

  • Hán Qíchāng 韩其昌, Meister im Shǎolín Boxen 少林拳 (shǎolín 少林戳脚), Xíngyìquán 形意拳, Bāguàzhǎng 八卦掌, Tàijíquán 太极拳 und Vertreter der 16. Generation des Méihuāzhuāng 梅花桩, damals Wǔshù Lehrer an der Běijīng Universität,

  • Lǐ Jiànqiū 李剑秋, Meister im Tàijíquán, Bāguàzhǎng und insbesondere Xíngyìquán, damals Wǔshù Lehrer an der Qīnghuá Universität,

  • Liú Zhìgāng 刘志刚, Meister im Shǎolín Boxen (shǎolín liùhéquán 少林六合拳), Tàijíquán, Xíngyìquán und insbesondere Bāguàzhǎng, damals Wǔshù Lehrer an der Pädagogischen Hochschule.

Zehn Jahre dauerte die Ausbildung, die der junge Schüler auf traditionelle Weise unter der Leitung seiner Lehrer absolvierte. Es gibt nur noch wenige lebende chinesische Meister, die auf diese, heute schon als historisch anzusehende, Weise ausgebildet wurden.

Nach dem Tod von Lǐ Jiànqiū übernahm Wáng lǎoshī 1956 dessen Platz als Professor für chinesische Kampf- und Bewegungskünste an der renommierten Běijīnger Qīnghuá Universität und war dort bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1991 tätig. Er unterrichtete Studenten aller Fakultäten. Er bemühte sich besonders auch um geschwächte und wegen Krankheit vom Studium freigestellte Studenten. Er arbeitete mit Kleingruppen und mit Gruppen bis zu mehreren hundert Personen.

Nebenbei war er als Trainer und Schiedsrichter aktiv, nahm an unzähligen Vorführungen teil und hielt Vorträge. Ab 1962 war er Mitglied des Běijīnger Wǔshù Komitees 北京武协 und rief innerhalb des Komitees 1984 die „Forschungsgruppe Méihuāzhuāng“ 梅花桩研究会 mit Hán Qíchāng als Vorsitzendem ins Leben. 1986 wurde er zum Berater der Forschungsgruppe Shǎolín Boxen am Shǎolín Kloster 中国嵩山少林寺拳法研究会顾问 bestellt. Sein Name fand Einzug in die Standardnachschlagewerke der chinesischen Kampfkünste: Biographisches Lexikon der chinesischen Kampfkünste (1994) 中国武术人名辞典 und Biographisches Lexikon der Kampfkünste der Hauptstadt Peking (1998) 燕都当代武林录. Im Jahr 2007 erschien ein Werk über „Vertreter traditioneller chinesischer Kampfkünste der Neuzeit” 华夏近代传统武林采风 mit einem Eintrag über ihn. 1989 wurde sein Buch über Méihuāzhuāng 五势梅花桩 veröffentlicht, 2004 sein Buch über Tàijíquán 太极十三势述真. Die deutsche Übersetzung „Tàijíquán - die Tradition der 13 Grundformen“ erschien im Oktober 2014.

Neben Studenten der Qīnghuá Universität unterrichtete er mehrere Jahrzehnte lang seine privaten chinesischen Schüler sowie seit den 80er Jahren Schüler verschiedenster Länder und Kontinente. Seit 1989 besucht er regelmäßig Deutschland und die Schweiz. Er unterrichtete auch in Russland, England und Spanien.

Mit großer Dankbarkeit blickt der Wǔshù Verein Kiel auf eine über zwanzigjährige Zusammenarbeit zurück. Wir hoffen auf noch viele weitere gemeinsame Lehr- und Lernjahre.

Frühling 2003, Lausanne (Schweiz)
Frühling 2003, Lausanne (Schweiz)

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